Stromerzeugung Kraftwerk Mühletorplatz

Das erste Elektrizitätswerk von Feldkirch

Die Entwicklungsgeschichte Feldkirchs war von jeher geprägt vom Wasser der Ill.

Die erste, nachweislich wirtschaftliche Nutzung der Ill durch Mühlen, geht zurück ins Jahr 909 und ist in einem Dekret König Ludwigs des Kindes erwähnt. Es gibt aber zahlreiche Hinweise auf eine Nutzung der Ill, die erheblich weiter zurückreichen. 

Bau des Elektritzitätswerkes
Die schwankende Wasserführung der Ill führte Ende des 19. Jahrhunderts zu Rechtsstreitigkeiten zwischen den Wasserrechtsbesitzern am Mühlekanal. Im Zuge der Stilllegung einiger Betriebe suchte man zur Wiederherstellung des Stadtfriedens nach einer zufriedenstellenden Lösung für alle.
1893 enstand daraus die erste Idee zum Bau eines Kraftwerkes. Die Wasserkraft über der stillgelegten Herrenmühle sollte in einem effizienten Werk in Elektrizität umgewandelt werden, die von jedem gleichermaßen genutzt werden könnte. Mit Rücksicht auf das städtische Gaswerk wurde der Vorschlag allerdings vorerst abgelehnt. 
Die Meinungsbildung setzte sich jedoch fort und so fiel - 12 Jahre später, am 6. Mai 1905, die Entscheidung zum Bau des E-Werkes am Mühlkanal.
In einer Bauzeit von etwa 9 Monaten entstand nach dem Abriss der Herrenmühle das städtische Elektrizitätswerk, das im Juni 1906 seinen Betrieb aufnahm.

Änderung der Wasserführung
Zunächst arbeitete das Kraftwerk am Mühletorplatz im Inselbetrieb und versorgte mit seinen drei Francis-Turbinen von je 450 kW und einer Dampfmaschine von 400 kW die Stadt Feldkirch, zahlreiche umliegende Gemeinden und Teile des Fürstentums Liechtenstein mit Strom.
1924 erfolgte neben dem Anschluss an die erste Vorarlberger Übertragunsleitung auch eine prinzipielle Änderung der Wasserführung. Zur Verbesserung der Hochwasserabfuhr im Bereich der Kapfschlucht wurde das Einlaufbauwerk der Spinnerei Hämmerle in Gisingen abgebrochen und ein Verbindungskanal zwischem dem Kraftwerk Mühletorplatz und Hämmerle geschaffen. Seitdem bilden die beiden Kraftwerke eine Kette und stimmen ihren Betrieb aufeinander ab.

Umbau und Sanierung
Eine grundlegende Erneuerung erführ die Kraftwerksanlage im Jahr 1992. Bis dahin war das Kraftwerk ständig besetzt und die Betriebsführung wurde "von Hand" erledigt. Die Notwendigkeit umfangreicher Sanierungen führte zur Entscheidung die Maschinen 1 und 2 komplett durch neue Maschinen zu ersetzen und im gleichen Zuge die Maschinen 3 und 4 mit elektronischen Turbinenreglern auszustatten. Durch einen Prozessregler für die übergeordnete Betriebsführung und den Einbau einer automatischen Rechenreinigungsmaschine wurde das Kraftwerk vollständig automatisiert. 
Der schlechte bauliche Zustand des Einlaufbauwerkes und des Oberwasserkanals führte zu Planungen für ein neues Einlaufkonzept. Das Wasser sollte aus einem beruhigten Staubereich entnommen werden, um den starken Geschiebeeintrag zu vermeiden. Mit dem Bau des Kraftwerkes Hochwuhr in der Ill wurde dieses Konzept umgesetzt. Im Herbst 2003 folgte der Neubau des Oberwasserkanals in geschlossener Form.

 

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